Perfekt sein ist auch keine Lösung

Kennst du diese Muttis, bei denen immer alles perfekt ist? Die Böden glänzen, es riecht nach frischen Zimtschnecken, sie haben die makellose Figur, perfekt geschwungene Wimpern, tragen hohe Schuhe, es laufen lachend Kinder durchs Haus und die Chöre singen im Hintergrund!

 

Unser ganzes Umfeld, die Medien, alle suggerieren uns, dass wir perfekt sein müssen. Ein perfektes Zuhause, selber perfekt gestylt und einen wunderschönen Körper, perfekt erzogene und gekleidete Kinder, perfektes Einkommen und perfekter Urlaub!

 

Ist das realistisch? Können wir perfekte sein? Und wenn wir es wären, wäre das die Lösung und macht es mich glücklich?

 

Was heißt Perfektionismus eigentlich? 

 

Ich glaube, dass wir viel nach seiner Fassade beurteilen. Das ist gar kein Vorwurf, wir machen es meist unbewusst. 

 

Genau das fördert die Oberflächlichkeit, die in unserer Gesellschaft immer mehr Einzug hält und baut den Druck und die Erwartungshaltung an uns selbst und andere immer weiter auf.

 

Wie gesagt, das Ganze passiert meist unbewusst. Vermutlich um dazuzugehören, akzeptiert, bewundert und geliebt zu werden.

 

Sind das die Gründe, warum du andere liebst, bewunderst und akzeptierst?

 

Ich kenne Frauen, die all das gar nicht nach außen repräsentieren, die aber meinen tiefsten Respekt haben. Ich glaube, was mich am meisten an diesen Frauen beeindruckt ist, dass sie in sich selbst ruhen. Dass sie eine Sicherheit und Stärke ausstrahlen, die kein bisschen von äußeren Faktoren bestimmt ist.

Ich habe über viele Jahre versucht Anerkennung durch Perfektionismus zu bekommen. Unbewusst. Ich habe das erst vor fast 2 Jahren realisiert. Das kam daher, dass ich festgestellt hatte, dass ich mich immer mit anderen Frauen vergleiche. Ich wusste, dass ich das nicht nötig habe, dass ich toll aussehen und eine tolle Person bin (nicht auf eingebildete Art, sondern eher auf eine gesunde selbstbewusste Art würde ich sagen) und dennoch konnte ich dieses Vergleichen nicht abschütteln.

 

Ich war auf einem Persönlichkeitsentwicklungs-Seminar, wo wir eine sehr tiergehende Übung gemacht haben, bei der mir klar wurde, woher das bei mir kam:

 

Das ganze hat seinen Ursprung in der 1. Klasse.

 

Ich habe nämlich überlegt, wann ich anfing, mich mit anderen zu vergleichen. Ein kleines gesundes Kind tut das nämlich im Normalfall nicht. Als ich in die 1. Klasse kam, merkte ich, dass ich anders bin, als die anderen. Vorwiegend wegen der Optik. Ich war nämlich aufgrund des Hintergrundes aus dem ich komme, anders gekleidet, als die anderen Kinder und war auch selten bei ihnen zum spielen oder auf Geburtstagen. Das führte dazu, dass ich irgendwie nicht dazugehörte

 

Ich fing an ein wahnsinnig zickiges und herrisches Verhalten zu entwickeln, weil ich (unbewusst) das Gefühl hatte, mir so einen Platz in der Gesellschaft zu sichern. Das klappte natürlich nicht, sondern führte eher dazu, dass die anderen Kinder mich nicht mochten. Das heißt anfangs war ich ihnen egal oder gehörte einfach nicht dazu und dann fingen sie auch noch an mich nicht zu mögen und zu ärgern.

 

Als ich dann ins Teenageralter kam, habe ich das weitestgehend in den Griff gekriegt. Dafür kam dann aber der Fokus auf Perfektionismus. Ich lief mit 16 Jahren schon immer mit hohen Schuhen, geschminkt und perfekt manikürten Nägeln rum. Hatte die besten Noten in der Ausbildung, war die beste in der Zusatzqualifikation die ich machte, war super in meinem Job. 

 

Und dann?

 

Perfektionismus war auch keine Lösung. Denn innerlich hatte sich nichts verändert. Nur das, was ich nach außen hin zeigte, war anders.

 

Dadurch, dass ich meinen Mann kennenlernte, wurde mir bewusst, dass ich auch ohne den Perfektionismus geliebt und angenommen werde, einfach so, wie ich bin. Das hat viel geheilt und meinem Selbstwertgefühl echt geholfen.

 

Das Vergleichen ging dadurch aber immer noch nicht komplett weg.

 

Im Endeffekt würde ich sagen, liegt der Schlüssel darin, was du über dich selber glaubst. Wenn du weißt, wer du bist und dass du toll bist, was deine Stärken sind und warum du besonders bist, dann strahlst du das aus. Das kann sich durch das Aussprechen (Affirmationen) der Dinge über dich, die wahr und gut sind verstärken und in deinem Gehirn verankern. Und das kann dir das Gefühl wegnehmen, dich mit anderen Vergleichen oder perfekt sein zu müssen.

 

Du weißt nie, was dahinter steckt, wenn andere so "perfekt" sind. Und was bringt es dir nach außen hin perfekt zu sein und innen drin solche Selbstzweifel zu haben oder wahnsinnigen Stress Zuhause, damit all das funktioniert?

 

Nicht, dass alle "Perfekten" oberflächlich sind. Das will ich überhaupt nicht sagen. Ich würde sogar sagen, dass wenn du innerlich ausgeglichen und stark bist, die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass sich das in deinem Äußeren widerspiegelt. Es ist nur wichtig, dass wir andere nicht nach dem, was wir von außen sehen, beurteilen.

 

Also lass uns nicht Symptome sehen und behandeln, sondern den Kern.

 

Du bist großartig, meine Liebe! Völlig egal, wie es nach außen bei dir aussieht. Du hast einzigartige Stärken, eine einzigartige Schönheit und Eigenschaften, die nur dich ausmachen! Und genau die brauchen deine Kinder, dein Partner und dein Umfeld von dir. Sei nicht irgendwer, der nach Außen hin irgendetwas repräsentiert. Sondern einfach du selbst!

Denn du bist großartig!

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