Zuhause Arbeiten oder Selbstständig als Mama

Du musst ganz dringend noch was abarbeiten, kommst aber im Schneckentempo voran, weil die Kinder alle 2 Minuten etwas von dir wollen?

 

Und dann hast du vielleicht das Wichtigste erledigt, dich lassen aber andere Projekte oder Aufgaben gedanklich nicht in Ruhe. Dann bist du physisch anwesend aber gedanklich ganz wo anders. Ist nicht wirklich schön für dich und die Familie.

 

Ich kenne das so gut! Ich bin jetzt seit fast 3 Jahren selbstständig und hatte bis letzten Sommer immer min. ein Kind Vollzeit nebenbei Zuhause.

 

Jetzt habe ich das Privileg, dass beide vormittags in der Kita sind und ich diese Zeit zum Arbeiten nutze. Aber viele von euch haben aufgrund des Lockdowns die Kinder gerade die ganze Zeit Zuhause. Da ist das Chaos doch vorprogrammiert?!

 

Hier meine Tipps, wie es dennoch funktionieren kann.

 

1. Man wechselt sich mit dem Partner ab. Ist zwar nicht ideal für das gesamte Familienleben, da man dann nie Zeit alle zusammen hat, aber es gibt nun mal solche Phasen. Eine Mutter aus unserer Kita hat mir letzte Woche erzählt, dass sie Gott sei Dank einen so kulanten Chef hat, der erlaubt, dass sie erst nachmittags zur Arbeit kommt. Vormittags macht sie Homeschooling mit ihrem Großen und der Kleine wird nebenbei bespaßt und sobald ihr Mann nach Hause kommt, fährt sie zur Arbeit. 

Das machen wir auch manchmal, wenn ich Zuhause zu nichts gekommen bin oder eine so intensive Phase habe, dass ein halber Tag arbeiten nicht ausreicht. Dann fahre ich ins Büro, sobald mein Mann nach Hause kommt.

 

Ganz wichtig dabei ist: Wenn du Arbeitszeit hast, dann gib Gas! Arbeite fokussiert. Das Buch "The One Thing" (Nur der Titel ist englisch, der Inhalt ist deutsch) hat mir dabei enorm geholfen zu priorisieren und festzulegen, welche Aufgaben am wichtigsten und am dringendsten sind. Es geht darum sein Ziel vor Augen zu haben und dann die Zeit so einzuteilen, dass du zuerst die Dinge erledigst, die dich auch wirklich deinem Ziel näher bringen. Weil beschäftigt sein können wir alle lange und viel. Dabei aber auch zielführend zu arbeiten ist eine ganz andere Herausforderung (die ich liebe!)

Und wenn deine Arbeitszeit vorbei ist - und du solltest sie limitieren - dann mache dich auch gedanklich davon frei! Das muss man lernen, oft klappt das nicht direkt und es braucht Selbstdisziplin das auch wirklich umzusetzen, aber es lohnt sich. Mir hat es geholfen mir bewusst zu machen: Was ist jetzt gerade mein Fokus? Meine Familie! Ich weiß, es ist schwer, wenn man selbstständig ist, Termindruck hat oder abhängig von dem Geld ist, das durch die Arbeit reinkommt und das gerade mangelhaft ist. Aber mir ist meine Familie wichtiger, als meine Arbeit. Und meine Familie ist es wert, dass ich gedanklich bei ihnen bin. Das muss nicht 8 Stunden am Tag sein. Meiner Beobachtung nach geht da Qualität vor Quantität. Das darf aber jeder für sich entscheiden. Meine Oma hatte auch nicht den ganzen Tag Zeit für ihre Kinder. Sie hat zwar nicht klassisch gearbeitet (nur Nachts als Hebamme) aber tagsüber musste sie sich um den Hof und die Wirtschaft kümmern. Sie war physisch anwesend, aber gedanklich bei ihren Aufgaben und das ist normal und in Ordnung. Kinder müssen lernen das zu akzeptieren. 

 

Was dabei unfassbar gut hilft ist mein 2. Tipp:

 

2. Ich mache häufig Deals mit meinen Kindern. "Ihr spielt jetzt 2 Stunden alleine und danach gehe ich mit eich zum Spielplatz." Also irgendwas definiertes (von mir aus auch Paw Patron gucken oder Plätzchen backen oder basteln...). Dann wissen die, dass ich nicht immer für sie da sein kann, aber kommen dennoch auf ihre Kosten. Und sie wissen, dass es auf eine Zeit begrenzt ist. Ich muss sie also nicht immer wieder hinhalten und sagen "ja, gib mir noch 5 Min." und dann wieder "ah, doch nicht ganz fertig geworden, ich brauche nochmal 10 Min." Es ist schwierig für die Kinder sich darauf einzustellen und das abzuschätzen. 

 

Mir ist da Fairness und eine klare Kommunikation wichtig. Die Kinder sollen lernen, dass Zeit wertvoll ist und nicht immer unbegrenzt zur Verfügung steht. Mir ist meine Zeit sehr wichtig, deswegen ist mir Pünktlichkeit oder Verbindlichkeit auch sehr wichtig. Und das möchte ich meinen Kindern beibringen. Wenn ich mit ihnen spiele erwarte ich auch von ihnen, dass sie gedanklich dabei sind und nich alle 2 Min. was anderes machen wollen. Kinder lernen sowas schnell. Und sie lernen dabei meine Bedürfnisse zu respektieren und dass ich ihre Bedürfnisse respektiere.

 

3. Ein fester Tagesablauf ist da auch äußerst hilfreich. Meine Kids machen z.B. sowieso Mittags immer eine Mittagspause. Da müssen die nicht schlafen, aber sie müssen für 2 Stunden oben bleiben. Sie dürfen auch in den Zimmern hin und her laufen, spielen und toben, aber sie müssen oben bleiben. Ich merke, dass es so wichtig für sie ist, Zeiten am Tag zu haben, wo sie selber verantwortlich sind, womit sie sich beschäftigen, dass da kein Input von außen kommt, sie müssen lernen phantasievoll und kreativ zu sein. Und sie können 2 Stunden lang ihren Gedanken ohne Ablenkung freien Lauf lassen. Meiner Beobachtung nach ist das so wertvoll für die Entwicklung der Kinder. 

In der Zeit kann ich dann Termine (die müssen dann natürlich Zuhause sein, aber momentan läuft ja eh das meiste über Zoom) und Arbeit in Angriff nehmen und weiß ich bin 2 Stunden ungestört. 

Das war Anfangs wirklich Training für die Kinder. Die haben versucht immer runter zu kommen und gefragt wie lange noch (da habe ich irgendwann eine Uhr oben hingestellt und denen gesagt "Wenn der Zeiger da ist, dürft ihr runter kommen.") oder brauchten sonst was von mir oder hatten was für mich gebastelt. Da musste ich dann konsequent bleiben und sagen "In 2 Stunden bin ich wieder für dich verfügbar, so lange beschäftigst du dich oben".

 

Das ist natürlich etwas schwieriger, wenn die Kinder noch kleiner sind, aber es ist durchaus möglich. Ich höre mir da zwischendurch den Podcast "The Parenting Junkie" von Avital an, die erklärt, wie das in jedem Lebensalter funktioniert.

 

4. Arbeit ist Arbeit und bleibt auf Arbeit. Das gilt auch für mein Handy. Ich gestehe, dass das der schwierigste Part bei mir ist. Denn wenn ich "nur mal eben" die Mails auf dem Handy checke, bin ich schon wieder für min. eine halbe Stunde gedanklich bei der Arbeit. Oder wenn es schlecht läuft sogar den ganzen Tag. Das ist nicht fair. Wenn die Arbeitszeit um ist, dann ist sie um. Sei so respektvoll dir selbst und deiner Familie gegenüber. Ich habe festgestellt, dass nichts anbrennt oder ich Gewinneinbußen habe oder die Welt untergeht, wenn ich einen halben Tag lang nicht gecheckt habe was passiert oder eine Mail nicht beantwortet habe. Den Stress machen wir uns oft in unserem Kopf. Oder wenn ich abends vor dem Abend noch eine herausfordernde Mail lese, passiert es schnell mal, dass ich schlecht einschlafe, schlecht schlafe und gestresst aufwache. War es das jetzt wirklich wert? 

Ich muss doch auch meine Batterien aufladen. Ich muss doch auch mal ein paar Stunden haben, wo ich weiß, es ist okay gerade nichts anbrennen zu haben. Ich kann nur im hier und jetzt sein und das ist gerade das wichtigste.

 

Ihr seht, dass Kommunikation und Klarheit der Schüssel sind.

 

Habt ihr noch Tipps oder Strategien, wie ihr damit umgeht und das meistert? Oder Fragen?

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